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Das Zeichen Jungfrau
Von Eva Stangenberg.
I. Die Idee
Um den 21.8. tritt die Sonne in das 6. Zeichen des Tierkreises ein, in die Jungfrau. In dieser ersten Hälfte des Kreises bis zum Zeichen Löwe und dem Herrscher dort, der Sonne, dem Ich, ging es um das Wachsen der Idee, die im Widder geboren wurde. Nun, im 6. Abschnitt des Zyklus, ist sie vollendet und reif, geerntet zu werden. Jungfrau ist das Zeichen der Ernte. Es ist das dritte Erdzeichen, Yin, und hat damit die Qualität beweglich oder labil. Bewegliche Erde hält nicht mehr fest und sichert den Bestand wie im Stier, sondern öffnet sich nach außen, gibt ab. Alles, was gewachsen ist, wird nun überprüft, in wie weit es im zweiten Halbkreis dem kollektiven Fortbestand nutzt. Das Zeichen Jungfrau hat somit eine Zwischenstellung zwischen dem persönlichen Wachstum bis zum Löwen und dem Eintritt in die Gemeinschaft am dritten Wendepunkt der Sonne, dem Zeichen Waage. Wie ist die Saat aufgegangen und gepflegt worden, wie konnte sie wachsen, sich entwickeln und reifen zur Frucht und zum Nutzen der anderen? Jetzt in der Jungfrau wird das überprüft. Die gewachsene Idee möchte für die Gemeinschaft nützlich sein, eine Aufgabe haben, in die sie die individuellen Fähigkeiten und Gaben einbringen kann. Der Herrscher hier ist der Merkur, aber immer mehr Astrologen ordnen Chiron, den 1977 neu entdeckten Kleinplaneten, diesem Zeichen zu. Der Merkur vertritt hier die Analysefähigkeit, die Beurteilung und Bewertung in Bezug auf Effektivität und Nützlichkeit. Mit dem Äskulapstab, dem Stab des Mercurius, dem Heiler, steht dieses Zeichen auch symbolisch für den Umgang mit dem Körperlichen, für die Ernährung und die Gesundheit. Chiron, der verwundete Heiler, symbolisiert ebenfalls die Kunst der Heilung, aber nicht mehr ausschließlich auf der körperlichen Ebene durch Analysieren und Erforschen der Ursachen von Krankheit, sondern indem er negativ bewertete und abgespaltene Anteile annimmt, integriert und so zur Ganzheit, im Sinne von Heil-Werden, beiträgt. Er vertritt eher das homöopathische Prinzip als das von Ursache und Wirkung, die logisch-kausale Verknüpfung von Merkur. So geht es in diesem Zeichen also um die Ernte von „Früchten“, von Gaben, die für die Gesellschaft „gesund“ und „nützlich“ sind, ihr zum Heilwerden verhelfen. Alles in der Natur hat einen Nutzen, die Naturvölker wussten noch darum, aber wir haben vieles vergessen und manches Kraut wird als Unkraut mit Gift weggespritzt und vernichtet. Die eigentliche Jungfrau-Idee ist in unserer Gesellschaft möglicherweise in Vergessenheit geraten: der Mensch hat sich im Löwen zum Herrn und Schöpfer aufgespielt und bestimmt nun hier, was geerntet werden soll, was etwas wert ist und ihm nützt. Der Rest kommt auf den „Kompost“ (die Spreu vom Weizen trennen). Nicht mehr die Vielfalt der Ideen ist ein Wert und jede wird individuell dort genutzt, wo sie gebraucht wird, sondern der Mensch bestimmt, was nützlich ist und was nicht.
II. Die Idee in der Natur
Auch in der Natur ist jetzt die Zeit der Ernte und viel Arbeit ist angesagt. In der heutigen Zeit erleben es wahrscheinlich die Wenigsten direkt mit, denn wir holen unsere Nahrung ja aus dem Supermarkt. Aber in früheren Zeiten war es enorm wichtig, was geerntet werden konnte, hing doch das Überleben in der kalten Jahreszeit davon ab. Jetzt zeigte es sich, wer gut gewirtschaftet hatte und jetzt kam es darauf an, die geernteten Früchte haltbar zu machen. Es musste sehr reinlich zugehen, z.B. beim Einkochen der Früchte, denn es gab ja noch keine Gefriertruhen zum Aufbewahren. Da menstruierende Frauen in der damaligen Zeit noch als unrein galten, durften sie in den betreffenden Tagen auch nicht bei der Haltbarmachung der Früchte mitarbeiten.
Das Korn wird abgemäht, ohne Maschinen sicher eine harte Arbeit, die den Menschen auslaugte. Ebenso ist der Boden ausgelaugt, hat alle Nährstoffe an die Pflanzen abgegeben und braucht nun, nach der Ernte, eine Erholungsphase. Die Stoppelfelder leuchten nicht mehr so gelb, es ist noch schön warm, aber nicht mehr so heiß, dass man in den Schatten flüchten müsste. Die Natur hat die leuchtenden Sommerfarben verloren und noch nicht die sanften des Herbstes. Beim Dreschen wird das Korn von der Spreu getrennt, bewertet zum jeweiligen Nutzen: ein wertvolles Nahrungsmittel und die Saat fürs nächste Jahr und die Einstreu für die Tiere. Auch hier ist Sorgfalt wichtig, denn es dürfen nicht zu viele Unkrautsamen in die Saat mit hinein kommen. Ebenso erfordert die Obsternte einen behutsamen Umgang, denn jeder angeschlagene oder angefaulte Apfel muss aussortiert werden, gefährdet er doch die Haltbarkeit der ganzen Ernte. Unsere Vorfahren beachteten auch noch die besonderen Zeiten wann welche Frucht geerntet werden sollte, und gingen dabei nach dem Mondkalender vor. Denn auch das entschied über die Haltbarkeit der jeweiligen Früchte, ebenso wie bestimmte Aufbewahrungskriterien. Kartoffeln durften z.B. nicht im selben Kellerraum gelagert werden wie Äpfel. Pingelige Sorgfalt und genaues Einhalten der Regeln war wichtig in dieser Zeit der Ernte, hing doch das Überleben der eigenen Sippe davon ab. Heute haben die meisten Landwirte Monokulturen, aber damals war es wichtig, von allem etwas zu ernten, damit Mensch und Tier gesund den Winter überstanden.
Das Element Erde symbolisiert auch unsere Körperlichkeit, und so ist dem Zeichen Jungfrau der Umgang mit ihm und dessen Ernährung und der bewertende Verdauungsapparat, der Darm, zugeordnet. Auch hier wird ja analysiert, was für den Menschen gut ist, was er zum Leben braucht, und was ausgeschieden wird. Monokultur bei der Ernährung ist hier ebenso lebensfeindlich wie damals beim Anbau der Früchte. Wir sind heute der Herstellung und Ernte unserer Nahrung entfremdet, und so ist es nicht verwunderlich, dass viele Krankheiten auf die Irritation unseres Darmes zurückzuführen sind, z.B. Allergien. Die viele Chemie, auch bei der Haltbarmachung, und die Umweltgifte machen es ihm schwer, noch zwischen gesund und nützlich und ungesund und schädlich zu unterscheiden.
III: Die Idee übertragen auf den Menschen
Übertragen wir die Qualität dieser Zeit auf einen Menschen, so finden wir auch hier das Talent, sich für eine Aufgabe einzusetzen, genau und gründlich zu arbeiten, die Fähigkeit der Bewertung, der Ordnung und Reinlichkeit, sowie das Interesse an Ernährung und der Heilkunst. Diese Menschen neigen dazu, sich sorgfältig, ja manchmal pingelig genau, an Bewertungskriterien zu halten, damit sie ja nichts falsch machen oder gar schuld an einem Fehler sind. Sie wollen ihre Hände „in Unschuld“ waschen, in Ordnung sein für die Gemeinschaft, eine wertvolle und nützliche Frucht. Dabei kann dann aber leicht vergessen werden, sich auf die besondere Frucht ihrer individuellen Eigenart zu beziehen, und die Bewertungskriterien richten sich nur auf das Außen der anderen, nicht auf das Innen der Persönlichkeit. Die labile Erde der Jungfrau in ihrer Zwischenstellung zwischen dem Ich der Sonne und dem Du im Zeichen Waage kann als Unsicherheit erlebt werden. Welche Frucht soll ich sein, damit ich für die anderen nützlich bin? Aber in der Jungfrau geht es ja darum, die gesäte und gewachsene Idee eines jeden zu ernten und eben gerade nicht um Monokultur. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“, ein Satz aus der Bibel. Und so ist es in diesem Zeichen wichtig, genau zu analysieren was die individuelle Eigenart ist, sie anzunehmen ( wie Chiron es tat) und genau mit ihr der Gemeinschaft zu nützen und den Platz in der Welt zu finden, wo die eigenen Gaben in Aufgaben hinein gegeben werden können. Das ist für mich auch der tiefere Hintergrund von Gesundheit: der Einklang und die Verbindung zwischen Körper, Seele und Geist. Das Zeichen Jungfrau steht den Fischen gegenüber, dem Zeichen des Göttlich-Transzendenten. Und nur, wenn sich die empfangene göttliche Idee (Fische) verkörpern, also sich real geben kann in Aufgaben, ist diese „Gesundheit“ im höheren Sinne erreichbar. Die Jungfrau Maria aus unserer christlichen Mythologie sagte: “Dein Wille geschehe“, unterwarf sich damit nur der göttlichen Idee und gebar Christus in die Welt, die empfangene Idee konnte sich verkörpern, das war ihre Aufgabe. So sehnen sich auch jungfrau-betonte Menschen nach einer Aufgabe, bei der sie mit ganzer Seele dabei sein können, wo sie der Umwelt dienen können und ihre Gaben nützlich sind. Sie sind sehr hilfsbereit und spüren, wo Not am Mann ist. Dabei besteht dann allerdings vor lauter Diensteifer die Gefahr, sich aufzugeben und sich an bestimmten Erwartungen zu messen und zu bewerten. Jede Abweichung von dieser Meßlatte birgt dann Gefahr für das Ganze, und so muss man immer auf der Hut sein, alles kontrollieren, damit nichts Unvorhergesehenes passieren kann. Jungfrau ist für mich ein ganz sensibles und ängstliches Zeichen, solange das Vertrauen in den eigenen individuellen Wert fehlt und solange sie nicht den Platz gefunden haben, an dem sie mit ihren individuellen Gaben dienen können.
Der Jungfrauensatz könnte lauten: „Ich diene einer Aufgabe, also bin ich“.
IV: Das Kostüm dieser Idee
Das Kostüm des Zeichens Jungfrau könnte durch eine Arbeitskleidung ausgedrückt werden, die der jeweiligen Aufgabe entspricht. Dabei sollten allerdings die eigenen Qualitäten hervorgehoben werden und in Farbe und Art des Gewandes zum Ausdruck kommen. Im negativen Fall sind sie wie Aschenputtel gekleidet, unscheinbar und bescheiden, nur in groben Naturstoffen und gedeckten, unauffälligen Farben. Auch das Pepita- Muster, kleinkariert und schwarz/weiß würde dem entsprechen.
V: Übersetzungen für die persönlichen Planeten in der Jungfrau
Die Sonne in der Jungfrau sagt: Ich bin (fleißig), der Mond: Ich brauche
(gesunde Ernährung), der Merkur: Ich denke (an jedes Detail), die Venus: Ich schätze (die Umwelt), der Mars: ich handle (vorsichtig).
Auch wenn Sie keine persönlichen Planeten in der Jungfrau haben, so beschreiben Ihr Chiron, bzw. Merkur, und Ihr 6. Haus die Qualitäten, die Sie ausmachen und den Platz in der Welt, wo Sie mit Ihren Gaben richtig und in Ordnung sind.
Dieser Artikel ist ein Auszug aus dem ansprechenden kleinen Buch von Eva Stangenberg MIT DER SONNE DURCH DAS JAHR. Es beschreibt die Reise der Sonne durch den Tierkreis. Als lebensspendendes Prinzip beleuchtet die Sonne die Ideen der zwölf Zeichen und erweckt sie zum Leben. Sie zeigt uns das "Wie" der jeweiligen Zeitqualität. - Wenn wir die Sonne auf ihrem Weg durch den Tierkreis begleiten und die Ideen verstehen lernen, die sich entsprechend auch in der Natur zeigen, also das "Wie" übertragen, können wir zu allen Prinzipien des Lebens um uns herum und in uns einen besseren Zugang finden und lernen, mit der Qualität der Zeit in Einklang zu leben.
FBQ-Verlag, 75177 Pforzheim, ISBN 3-9807352-3-0, 7,90 Euro.
Das Buch eignet sich sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene. Erhältlich überall im Buchhandel oder direkt bei der Autorin: Eva.Stangenberg@tele2.de
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